Die Jahre 1954–1959
Allen, die in Tempelhof‑Ost
wohnen, ist die
"Bären-Siedlung" ein Begriff, deren Name, wenn auch nur im
Volksmund,
von aus Stein gehauenen Bären, die im Zentrum dieser Siedlung
thronen,
herrührt. Hier war und ist noch teilweise unsere Heimat, sei
es im Oberland-,
Mittel- oder Germaniagarten, in der Oberland-, Germania-, Bacharacher-
oder
Schaffhausener Straße. In dieser Gegend wuchsen wir auf,
gingen gemeinsam zur
Schule, zum "Konfa", sprich: Konfirmandenunterricht, wurden gemeinsam
konfirmiert, hatten oftmals dieselbe Freundin (natürlich
nacheinander),
knödelten zusammen - vor der Schule, nach der Schule und
manchmal auch während
der Schule - die dann eben für uns ausfiel.

Hier veranstalteten wir nicht
nur Spiele untereinander im
sogenannten "Zwinger", einem kleinen Spielplatz inmitten des
Oberlandgartens, der von hohen Zäunen umgeben war und daher
seinen Namen hatte.
Es wurden auch große Straßenspiele abgeschlossen.
Wenn auch hierbei des öfteren
das wichtigste Objekt, ein Lederball, nicht vorhanden war, und wir mit
einer
Gummipille vorlieb nehmen mussten, tat das der Freude und Begeisterung
keinen
Abbruch.
Diese nahmen noch zu, als am
13. September 1953 das
Jugendfreizeitheim am Holzmannplatz seiner Bestimmung
übergeben wurde. Nun
hatten wir, deren Spiele und sonstiges Tun bislang unter nicht immer
blauem
Himmel stattfanden, endlich ein Dach über den Köpfen.
Man traf sich täglich
nach der Schule oder nach der Arbeit, um unter der Leitung der
damaligen
Heimhelfer Alfred Lehmann und unserem Ewald Piehl Schach, Tischtennis
u.a.m. zu
spielen, Musik zu hören oder Tanzabende abzuhalten.
Erster offizieller Heimleiter
wurde dann am 2. Januar 1954
Erich Gottwald, dessen Versuche, nicht nur "Laufkundschaft", sondern
feste Gruppen im Heim zu etablieren, bald den gewünschten
Erfolg hatten. Zu den
ersten Gruppen, die sich hier bildeten, gehörte in dieser Zeit
auf Initiative
von Erich und
Als
Gründungstag ging der 2. Mai 1954 in die Annalen der
Vereinsgeschichte ein.
Das
Gründungsprotokoll unterzeichneten die Sportkameraden
KARL-HEINZ MIETZ, WALTER
RIEBECK, JÜRGEN ROGGENBACH, PETER ROGGENBACH, GUIDO SCHULZ,
FRITZ RITTER,
KLAUS-DIETER ARP, JOACHIM GITT , HANS-JOACHIM ARP und DIETER GLOEDEN.
Nun war aus der ehemaligen
Straßentruppe eine Sportgemeinschaft
geworden, deren Zweck laut Satzung die planmäßige
Pflege von Leibesübungen
jeder Art, nach den international anerkannten Amateurregeln,
insbesondere des
Fußballsports, sein sollte.
Im Januar 1955 schloss sich
die Sportgruppe der
Interessengemeinschaft Fußball, Firmen und Behörden
Berlin an und nahm
regelmäßig am geordneten Spielbetrieb teil.

1955 ![]()
Wir wurden der 2.
Klasse, Staffel Mitte C zugeteilt, und die Auslosung ergab
für
uns folgende Gegner:
DE TE WE, PINTSCH-BAMAG, BVG
BLAU-GELB, ZENTRALFLUGHAFEN,
FACHARBEITSAMT IV , BA
TIERGARTEN
UND BA WILMERSDORF.
Am Ende der Serie hatten wir
auch unsere letzten Zweifler
überzeugt, denn bei einem Punktestand von 14:14 belegten wir
in dieser Staffel
immerhin einen beachtlichen 4. Tabellenplatz. Meister und Aufsteiger in
die 1.
Klasse wurde die Truppe von DE TE WE, die sich bei einem Punktestand
von 26:2
souverän mit dem Meisterband schmücken konnte.
Wir jedoch hatten die erste
Feuerprobe bestanden, konnten aber
mit dem, was erreicht wurde, voll zufrieden sein und frohen Mutes in
die
Zukunft blicken.
Ein besonderer
Höhepunkt dieses Jahres war ein
Freundschaftsspiel gegen den FC. Mimik, in dessen
Reihen sich Prominenz
von Bühne & Funk, Film und Sport etabliert hatte. Auf
Schneeboden gab es in
Eichkamp ein gerechtes 3:3-Unentschieden.

V.l.:
Schulisch,Drzymala,Müller,Büttner,Pomowski,H.J.Arp,Schulz,Heine,Gruner,Riebeck,K.D.Arp,J.Roggenbach,Mietz
1956 ![]()
Das
gute Abschneiden zum Auftakt hatte uns allen viel Mut gegeben. Wir
hatten doch
schließlich bewiesen, dass ein ehemals "wilder
Haufen“ von Jugendlichen
durch Eigeninitiative ohne Anleitung Älterer es sportlich zu
etwas bringen
kann, sei es auch noch so wenig.
Mit Elan und vielen neuen
Ideen starteten wir in das Jahr
1956.
Noch vor Beginn der
Punktspielserie wurde bei Rot-Weiß die
erste sogenannte „Westwanderfahrt“
aus der Taufe gehoben. Initiator war
seinerzeit Walter Riebeck, der aufgrund seiner damaligen
Tätigkeit seine Fühler
in den Landkreis Schaumburg-Lippe ausstrecken konnte. Nach langem
Schriftwechsel klappte es dann endlich doch, die Herberge in Bückeburg konnte für
unseren
Reisetross entsprechende Betten für die Zeit vom 27.3.
-9.4.1956 bereithalten.
Die Aufnahme in der Jugendherberge war herzlich, die Stimmung
entsprechend,
obwohl das ausgetragene Fußballspiel gegen eine
Bückeburger Jugendauswahl
verloren ging.
Sofort nach der
Rückkehr begann für uns wieder der Ernst des
sportlichen Lebens in Form der Punktspielserie. Diesmal spielten wir in
der 2.Klasse,
Staffel B und sahen uns völlig neuen Mannschaften
gegenüber.
Im ersten Spiel reichte es
gegen
die "Sarotti - Mohren" im Allianz-Stadion nur zu einem
1:1-Unentschieden. Es folgte dann ein Heimsieg gegen IBM mit 3:1 auf dem gefürchteten
"Fichte-Acker", dem
sich eine ernüchternde 0:4-Niederlage gegen die Mannschaft des
Zentralflughafens anschloss. Auch das nächste Spiel gegen
Hartmann ging mit 1:3
in die Hose. Kein glücklicher Start also, nach vier Spielen
lagen wir mit 3:5
Punkten und 5:9 Toren auf dem 6. Tabellenplatz.
Nach weiteren vier Spielen
hatten wir aufgrund von Siegen über
das Facharbeitsamt I/IV mit 3:2, Feiler mit 4:1 sowie einer Niederlage
gegen
Coca-Cola mit 3:4 ein ausgeglichenes Punktverhältnis von 7:7.
Die größte
Überraschung war ein Teilerfolg beim bislang ungeschlagenen
Tabellenführer des
Zollbeamtenbundes mit 2:2.
Die Rückrunde verlief
ebenfalls ausgeglichen und endete
wiederum mit einem 2:2 gegen den Meister und Aufsteiger Zoll. Am Ende
hatten
wir, wie im Vorjahr, den 4. Tabellenplatz mit einem
Punktverhältnis von 16:16
erreicht.
Zum Jahresende hatten wir uns
noch um ein Freundschaftsspiel
gegen die BSG. Traktor Marzahn bemüht, doch leider kam dieses
aus
organisatorischen Gründen nicht zustande.
1957 ![]()
|
|
Dieses Jahr brachte unserer
Sportgruppe die ersten sportlichen
Rückschläge. Es war - wie der Weinkenner zu sagen
pflegt – ein schlechter
Jahrgang. Es lief plötzlich nichts mehr so richtig, man
spielte aneinander
vorbei, das Siegen war verlernt. Auch unsere bis dahin
sprichwörtliche
Heimstärke - der Fichte-Sportplatz war bei unseren
Gästen nicht sehr beliebt -
konnte die Truppe nicht mehr retten.
Nach sechs Spielen "zierten"
wir mit 2:10 Punkten
das Tabellenende. Diese beiden Pluspunkte, erkämpft durch zwei
Unentschieden,
blieben auch bis zum Saisonausklang unsere kärgliche Ausbeute.
Hier die Abschlusstabelle der 2.Klasse - Süd:
1, NRK
14
12
2
-
51:16
26: 2
2. Wayss
& Freytag
14
7
5 2
40:19
19:
9
3. De
Te We
14
7
2 5
28:3o
16:12
4. IBM
14
5
4 5
35:34
14:14
5. Sarotti
14
4
5 5
22:29
13:15
6. Hartmann
14
3
5 6
27:28
11:17
7. Vau Be
Ka
14
3
5 6
14:27
11:17
8. Rot‑Weiß Tempelhof
14
‑
2
12 14:48 2:26
Wer nun geglaubt hatte, dass
das schon der Anfang vom Ende
war, musste sich in der Folgezeit eines Besseren belehren lassen, denn
nun ging
es bei Rot-Weiß erst richtig los. Die folgenden Seiten werden
das in aller
Deutlichkeit unterstreichen.
1958 ![]()
Durch die Neuschaffung einer
Firmenliga konnten wir auch in
diesem Jahr weiterhin unser Dasein in der 2.
Klasse fristen. Überwiegend Tempelhofer Mannschaften
wurden uns diesmal
zugelost, so Magirus, Ufa, BA Tempelhof, Kayser und
Krupp-Druckenmüller. Hinzu
kamen noch Matador, Basler und Dolberg.
Um nun jedoch chronologisch
vorzugehen, muss zunächst etwas
ausführlicher auf die Osterreise in Richtung Braunschweig
eingegangen werden. Hierzu ein Reisebericht unseres
damaligen Vorsitzenden Albert Hensel, veröffentlicht im "Sport
im
Betrieb", Nr.3/58.
Reiseziel: Das Braunschweiger
Land
Rot-Weiß
Tempelhof spielte
gegen Feldschlößchen Brauerei (1:1), TuS Cremlingen
(1:2) und Roßbach &
Risse (4:1)
Trotz
unbeständigen Wetters ließ sich die SG.
Rot-Weiß Tempelhof nicht verdrießen,
über die Osterfeiertage in die Bundesrepublik zu reisen, um
mit Firmenmannschaften
im Lande Braunschweig sportliche Bande zu knüpfen.
Groß war die Teilnahme von
Schlachtenbummlern (30 Personen), eine willkommene
Geräuschkulisse. Nach
anregender Fahrt ohne größere Verzögerungen
wurde das Hauptquartier Wolfenbüttel
erreicht. Von hier aus dirigierte unser Reisechef
|
„Reisetruppe“
in Braunschweig: Hinten: Onasch,
P.Roggenbach, Schulz, Ritter, H.J.Arp, Polauke und Hensel Vorn:
Kühn, K.D.Arp, Heine und J.Roggenbach |

Erster Gegner war am Ostersonnabend die Firmenmannschaft der einheimischen Feldschlösschen - Brauerei in Braunschweig. Auf der guten Anlage des Amateurligisten Blau‑Gelb Braunschweig zeigten beide Mannschaften von Beginn bis zum Ende ein flottes, über die Flügel raumgreifendes Spiel, ohne jedoch zum Erfolg zu kommen, denn beide Hintermannschaften zeigten in der Abwehr sehr gute Leistungen. Erst in der 42. Minute gelang es dem Halbrechten der Feldschlösschen - Brauerei mit einem glasharten Schuss den Schlussmann von RWT zu schlagen. Hatte Feldschlösschen in der ersten Halbzeit leichte Vorteile, so war Rot-Weiß nach dem Wechsel die Mannschaft, die im Tempo stärker wurde und durch die aufopferungsvolle Arbeit aller, vor allen Dingen aber Hensel, Arp und Roggenbach, blieb der Erfolg auch nicht aus. Von Arp zu Roggenbach, dessen sauberer Pass kommt zum freistehenden Hensel und dieser ließ eine "Bombe“ los, dass dem Brauerei-Torwächter nichts weiter übrig blieb, als den Ball aus dem Netz zu holen. Rot-Weiß hatte ausgeglichen.
Beide
Mannschaften machten nun gewaltige Anstrengungen um den Enderfolg, doch
es
blieb beim gerechten Unentschieden. Das Bankett, das sich anschloss,
wird
beiden Mannschaften aufgrund der kameradschaftlichen Verbundenheit noch
lange
in Erinnerung bleiben.
Am 1.Osterfeiertag ging es von
Wolfenbüttel zum TuS
Cremlingen. War die Witterung am Sonnabend noch
erträglich, so meinte es
Petrus am 1. Feiertag gar nicht gut mit uns. Regen wechselte mit Schnee
und
Hagel und verwandelte den Platz in eine Schlammwüste. Aber
Fußballer sind hart
und man muss den 22 Akteuren das größte Lob
aussprechen, doch noch ein Spiel
aufzuziehen, das Freude und Begeisterung erweckte. Noch schneller, noch
härter
war der Kampf als am Vortage. Jeder war bestrebt, den Erfolg auf seine
Farben
zu schreiben. Wenn auch Cremlingen den Führungstreffer
erzielte, so ließen die
Rot -Weißen nicht locker und bald war der Ausgleich durch
Hensel erzielt.
Wieder ging Cremlingen in Führung, doch Onasch holte den
Vorsprung auf.
Die Druckperiode war bald
überstanden. Rot -Weiß machte sich wieder frei, und
als wir glaubten, auch hier
mit einem Remis bedient zu werden, fiel doch noch nach einer
geschickten
Täuschung durch den blau-weißen Halbrechten der
Siegestreffer für Cremlingen.
Aufnahme und kameradschaftliches Beisammensein waren ebenso herzlich
wie vorher
bei den Bierbrauern.
Da aller guten Dinge drei
sind,
ließen sich die Rot-Weißen auch nicht unterkriegen
und nahmen am 2. Feiertag
den Kampf gegen die SG. Roßbach & Risse
auf. Die vorangegangenen
Spiele veranlassten eine Umstellung und trotzdem wurde R & R
mit
technischen Mitteln ausgespielt. Bei Halbzeit noch 1:1, musste R
& R danach
klein beigeben, und als sicherer 4:1-Sieger konnte Rot - Weiß
auch einen Sieg
mit nach Hause nehmen. In Freundschaft nahmen wir von R & R
Abschied.
|
Werner Heine
– Keeper nach Bedarf – in voller Länge |

Diese gelungene Reise hatte in
der
Tat Auswirkungen auf die vor uns liegende Punktspielserie 1958. Wir
alle hatten
zu unserer einstigen Spielstärke zurückgefunden,
einer kämpfte wieder für den
anderen, und die so lang vermissten Erfolge stellten sich wieder ein.
Gleich im ersten Spiel gegen
die
Mannschaft der Kaiser-Motoren gab es einen überzeugenden
6:0-Sieg. Man war
Tabellenführer und für die kommenden Spiele bestens
gerüstet. Es folgten
Kantersiege von ungeahnten Höhen, Krupp -
Druckenmüller wurde mit 10:1 nach
Hause geschickt, auswärts gegen die Mannschaft der Ufa
schossen wir einen 9:1-
Sieg heraus und Magirus wurde gar mit 11:1 entzaubert. Nach vier
Spielen waren
wir mit 8:0 Punkten bei einem Torverhältnis von 36:3
unangefochtener
Tabellenerster. Der nächste Sieg gelang mit 8:1 über
Matador und wurde mit
folgender Mannschaft errungen:
POMOWSKI - K.D ARP, HEINE - J.
ROGGENBACH, G. SCHULZ, OSTEN - RITTER,
P. ROGGENBACH, ZITHIER,
HENSEL,
H.J. ARP
Diese elf Spieler und dazu
noch
ONASCH, H.J. SCHULZ und ZIMMERMANN bildeten in diesem Jahr den Stamm
der
Mannschaft.
Nach 16 Spielen hatten wir den
größten Erfolg in der noch so jungen Sportgeschichte
der SG. Rot-Weiß Tempelhof
errungen. Wir waren Staffelsieger und
somit Aufsteiger zur 1. Klasse geworden.
Abschlusstabelle 1958
1. Rot-Weiß Tempelhof
16
13
1
2
77:21
27: 5
2. EW-Kaiser
16
11
3
2
48:26
25:
7
3. Dolberg
16
8
1
7
3o:11
17:15
4. BA Tempelhof
16
7
2
7
46:47
16:16
5. Gea Basler
16
5
4
7
29:48
14:18
6. Matador
16
5
3
8
2o:35
13:19
7. Ufa
16
5
2
9
3o:57
12:2o
8. Krupp
16
4
3
9
29:48
11:21
9. Magirus
16
3
3
10
25:55
9:23
Drei Spiele vor Abschluss der
Serie
konnte man im "Sport im Betrieb“ folgenden Artikel lesen:
In
Staffel C braucht der Spitzenreiter Rot-Weiß Tempelhof noch
zwei Punkte,
um die Serie mit einem würdigen Abschluss und der
Meisterschaft zu beenden. In
den noch ausstehenden Spielen gegen Matador, Gea - Basler und Kaiser
dürften
die Rot - Weißen es wohl schaffen. Doch ich möchte
keine Vorschusslorbeeren
austeilen. Nach einer glänzenden Form in der ersten Serie
hatten die
Tempelhofer nach einem Formtief ihre ehemalige Spielstärke
noch nicht wieder
erreicht. Ihr Spiel läuft zu sehr auf Schönspielerei
und lässt den
entscheidenden Erfolg zu oft vermissen.
Wie
bereits geschildert, hatte sich der Erfolg dann doch noch zu unser
aller Freude
eingestellt.
Zu Pfingsten weilte die
Mannschaft der Feldschlösschen -
Brauerei zum Rückspiel bei uns in Berlin. Im Volkspark
Mariendorf glückte den
Gästen, die mit einer äußerst starken
Mannschaft erschienen waren, ein
verdienter 3:2-Sieg. Nach einem Pausenstand von 0:3 kamen wir in der 2.
Halbzeit zwar noch zu zwei Toren durch Harry Hensel und Peter
Roggenbach, doch
zu mehr reichte es nicht mehr. "Sport im Betrieb" schrieb von einem flotten, tempogeladenen und spannenden Spiel
mit beiderseits guten Leistungen vor etwa 2oo Zuschauern!
Ein
Teil der Reisegesellschaft vor dem Bus 1.Vorsitzender
A.Hensel
1959 ![]()
Durch die Erringung der
Staffelmeisterschaft in der Saison
1958 stiegen wir in die 1. Klasse auf und spielten in diesem Jahr in der
Staffel C. Auch im Vorjahr hatten wir bereits der Staffel
C angehört.
Sollte das vielleicht ein gutes Omen sein ?
Die Sportgruppen in der 1.
Klasse waren natürlich ungleich
spielstärker und es galt für uns: Festhalten und
überleben!
Der Auftakt aber war
erschreckend und ernüchternd
zugleich. Gegen die starke und erfahrene Mannschaft der National
– Registrier -
Kassen wurden wir mit 1:6 ganz furchtbar in die Pfanne gehauen. Die
beiden
nachfolgenden Spiele konnten wir dann glücklicherweise mit 7:4
gegen Wayss
& Freytag und mit 5:2 gegen BVG Zehlendorf recht sicher
für uns
entscheiden. Den zahlenmäßig höchsten Sieg
landeten wir dann mit einem 14:0
gegen die Sarotti‑Mohren mit folgender Mannschaft:
KNOSSALLA - K.D. ARP, POLAUKE
- P. ROGGENBACH, SCHULZ,
OSTEN - RODEWALD, RITTER, ONASCH, ZIMMERMANN, H.J. ARP
Der spektakulärste
Triumph war jedoch ein 1:0 -Auswärtssieg
gegen NRK, das uns zum Saisonauftakt noch mit 6:1 abgefertigt hatte. Um
als
Drittplatzierter in die aufgestockte Firmenliga aufsteigen zu
können,
benötigten wir aus den Spielen gegen NRK und gegen die an 4.
Stelle liegende
Mannschaft der Feuerwehr zwei Punkte. In Anbetracht der
Spielstärke der NRK -
Mannen und des "besonderen überall gefürchteten
Fluidums“ des Platzes an
der Sonnenallee hatten doch einige unserer Stürmer mit
fadenscheinigen
Entschuldigungen die Segel gestrichen. Mit einer sogenannten
"Jubeltruppe“
gelang uns dieser 1:0 -Erfolg, an den keiner so richtig glauben konnte:
Mit
KNOSSALLA ‑ K.D. ARP, POLAUKE
‑ P. ROGGENBACH,
SCHULZ, OSTEN ‑ MÜLLER, S. VOLKMANN, GLOEDEN, RODEWALD und
Altmeister
WALTER RIEBECK
stürzten wir uns in
das Spielgetümmel. Es wurde ein einziger
torgefährlicher Sturmlauf der NRK -Mannschaft, doch unsere
starke Abwehr hielt
mit Glück und viel Geschick das torlose Unentschieden. Einer
der wenigen
Entlastungsangriffe brachte dann die Entscheidung zu unseren Gunsten.
Walter
Riebeck erlief sich einen weiten Pass und konnte zum 1:0 für
uns einschießen.
Nun war die Hölle los. Alles, was zu NRK gehörte,
konnte das nicht begreifen.
Wir - ehrlich gesagt - auch nicht. Doch so ist nun mal der Sport und
gerade das
macht ihn so interessant.
Mit zwei wichtigen Punkten im
Sack kehrten wir nach Tempelhof
zurück und hatten damit die höchste Sprosse der
Erfolgsleiter, den Aufstieg
in die Liga, erklommen.
Hier die vier Erstplatzierten:
1.
NRK
16 14
1
1
29:3
2.
DE
TE WE
16
11
2
3
24:8
3.
Rot-Weiß
Tempelhof
16
10
1
5
21:11
4.
Feuerwehr
16
9
2
5
20:12
"Sport im Betrieb" berichtete
seinerzeit:
Rot-Weiß Tempelhof
ist Anwärter auf den dritten Platz. 5:0 gegen Wayss
& Freitag, ein Torrekord von 14:0 über Sarotti, remis
gegen DeTeWe und
Feuerwehr, sowie das stolze 1:0 über NRK mit dem Sturm der
Zweiten mit Senior
Walter Riebeck als Torschützen und Held an diesem Tage.
In der Nr.7/1959 war zu lesen:
Ein großer Erfolg ist für
die Tempelhofer der dritte Platz. Die jungen
Männer aus dem Jugendheim Holzmannstraße konnten
ihre Schnelligkeit und unverbrauchten
Kräfte voll ausspielen, und damit war der Erfolg gegeben.
|
Eine sangesfreudige
Runde mit Günter Zithier, Fritz Ritter, Peter Roggenbach,
Peter Rodewald und Jürgen Polauke |
Die Reiselust wurde auch in
diesem Jahr unter Beweis gestellt.
Unser Ziel war diesmal "Husum - die graue Stadt am
Meer". Es
war uns leider nicht gelungen, vor Antritt dieser Reise einen
Spielpartner zu
finden, so dass wir auf gut Glück, in der Hoffnung, an Ort und
Stelle eventuell
ein Spiel abschließen zu können, losfuhren.
|
|
Trotzdem war die
Reisegesellschaft sehr umfangreich, jeder
freute sich auf Husum und auf die Nordsee. Dort verlebten wir herrliche
Pfingstfeiertage, die alle voll auf ihre Kosten kommen
ließen. Beinahe wäre es
auch tatsächlich noch zu einem Kräftevergleich mit
einer dortigen
Feuerwehrmannschaft gekommen, doch es kam leider anders: Aufgrund eines
Großfeuers musste ein Teil dieser Mannschaft am Spieltag
ausrücken, so dass das
Spiel leider ins Wasser fiel.
Im Winterhalbjahr 1959/60 nahm
unsere Mannschaft erstmals an einer privaten Pokal- runde - dem Hensel
-Pokal - teil.
Die für uns
angesetzten Spiele fanden in der Regel montags
unter Flutlicht ab 20 Uhr im Stadion Wittenau statt. Zu jedem Spiel
hatten wir
uns einen Reisebus gemietet, der immer proppenvoll mit Spielern und
Anhang gen
Norden startete.
War das eine Stimmung
während der Fahrt! Es wurde gesungen und
es wurde gelacht, dass es eine reine Freude war. Dadurch stimuliert,
vollbrachten wir anschließend auf dem Spielfeld ungeahnte und
nie gekannte Leistungen.
Zudem wurden wir von Mutter Roggenbach, die bei allen Spielen dabei
war, durch
selbstgebrauten Kosakenkaffee "gedopt".
Im amtlichen Mitteilungsblatt
der IG. Fußball - Sport im
Betrieb konnte man in der Nr. 7/1959 folgendes lesen:
Von Jahr zu Jahr erfreuen sich
die
Hensel -Pokalspiele größter Beliebtheit, von Jahr zu
Jahr steigert sich das
Interesse, haben doch spielstarke Gruppen wie Wittler, Rot -
Weiß Tempelhof und
Automatic ihre Meldung in diesem Jahr abgegeben. Eine weitere
Überraschung brachte
Rot-Weiß Tempelhof zuwege, indem sie den Firmenligisten AEG
Mf. mit 3:1 aus dem
Felde schlug. ... und liegt mit den Tempelhofer Rot-Weißen
ungeschlagen an der
Spitze, denn ganz überraschend wurde ein weiterer
Firmenligist, Wittler, von
den Rot‑Weißen geschlachtet. Damit gehörte
Rot-Weiß Tempelhof zu den
Favoriten, aber es ist noch ein weiter Weg bis zum Endziel.
Und wir erreichten es, das
Endziel. Im „Sport im
Betrieb“, Nummer 2/1960 stand es schwarz auf weiß:
Hensel-Poksalsieger:
Rot-Weiß Tempelhof
Unter
den neun an der
Hensel – Pokal -Ausspielung beteiligten Sportgruppen konnte
sich die SG. Rot‑Weiß
Tempelhof mit vier Punkten Vorsprung vor dem Tabellenzweiten den
Pokalsieg
sichern.
Die insgesamt 36 um den Hensel - Pokal ausgetragenen Spiele wurden wieder in dem schön gelegenen Wittenauer Stadion durchgeführt. Die Spiele wurden teils unter der 48000 Watt starken Flutlichtanlage in Form von Doppelveranstaltungen bzw. an den Sonnabendvormittagen ausgetragen. In diesem Jahr gelang der erstmals an der Pokalausspielung beteiligten Sportgruppe Rot ‑ Weiß Tempelhof der Pokalsieg. Am 5.März d.J. wurde im Rahmen einer Feier der Pokal der SG. Rot‑Weiß Tempelhof übergeben, und wir wünschen dieser Sportgruppe viel Erfolg bei der nächstjährigen Pokalverteidigung.

Stehend
v.l.:
Schulz,Ritter,Zithier,HJ.Arp,Polauke,K.D.Arp,Knossalla,P.Roggenbach,Osten,Zimmermann,
Onasch
Hockend
v.l.:Mietz, S.Volkmann, Rodewald, J.Roggenbach, Päschel,
Gloeden



Jutta Arp m.
Schwager
H.J.
G. Schulz mit dem Pokal
J.Roggenbach erhält aus den Händen von
H. Wildgrube den Pokal




